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Gesundheitswirtschaft: Hinter der weißen Fassade von Marion Prettin, Hamburg Das Geschäft mit der Zahnverschönerung boomt. Ärzte wollen mit Service und Wellness-Angeboten Kunden gewinnen.
"Das Bedürfnis nach Zahnverschönerung steigt weiter", prophezeit Diether Reusch von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde. Private Zahnkliniken und Praxen mit dem Schwerpunkt Zahnästhetik würden derzeit nur so aus dem Boden sprießen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Bleichen der Zähne. Während es in Deutschland vor zehn Jahren nur drei private Zahnkliniken gab, sind es nach Angaben der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation (DSGI) inzwischen bereits rund 20. Sie teilen sich den Markt für Gebissverschönerung mit rund 1000 spezialisierten Zahnarztpraxen. DSGI-Berater Heiner Kirchkamp geht davon aus, dass gegenwärtig etwa 1000 weitere Zahnmediziner erwägen, sich mit ihrer Praxis in diese Richtung zu entwickeln oder eine Privatklinik zu gründen. Kombination von Qualität mit Service
Als Paradebeispiel für Kundennähe gelten in der Branche Privatpraxen wie die von Gernot Mörig in Düsseldorf. Dort werden die individuellen Vorlieben in einem Vorgespräch ermittelt. Mit einem Verwöhnprogramm geht es weiter: Zwischen den Behandlungen legt der Zahnarzt seinen Kunden warme Tücher mit persönlichem Lieblingsduft auf das Gesicht. Musik beschallt den Raum, Magazine liegen bereit, und sämtliches Werkzeug ist aus dem Blickfeld verschwunden. Stattdessen sollen warme Töne und gemütliches Interieur zum Entspannen anregen. In den Behandlungspausen dürfe seine Kunden nichts mehr an eine Zahnarztpraxis erinnern, sagt Mörig. Seine Mitarbeiter werden einmal im Jahr von Psychologen im richtigen Umgang mit der Kundschaft geschult. "Nur weil wir uns immer wieder fragen, was unser Kunde wünscht, können wir ihn zufrieden stellen." Spezialisierung auf Zeitnot Auf die Zeitnot von Managern und anderen Führungskräften haben sich vor allem private Zahnkliniken spezialisiert. Die Klinik Königshof in Nürnberg zum Beispiel bietet eine "Rundumsanierung" an nur einem Wochenende. Bis zu 50.000 Euro könne es kosten, wenn das ganze Gebiss auf Vordermann gebracht werden müsse, einschließlich der Implantate, sagte ein Sprecher der Klinik. Wie Zahnärzte anderswo um die Gunst der Patienten buhlen, zeigt ein Trend aus den USA: Die Zahnarztpraxis als Wellnessoase. Der so genannte "Spa-Dentist" behandelt nicht mehr nur Zähne, sondern auch das Gesicht, er massiert Füße und Nacken, bietet Pedi- und Maniküre. Wer will, kann sich in einigen Praxen sogar Botox gegen Falten spritzen lassen. Dass eine Zahnarztbehandlung fast ein Ferienerlebnis sein kann, versucht der hawaiianische Zahnarzt Wynn Okuda glaubhaft zu machen. Er wirbt für "Lächel-Urlaub" in Honolulu, bei dem ein Implantat für 1000 $ eingepflanzt wird, Begleitung an den Strand und zum Sightseeing, Limousinenservice und Ganzkörpermassage inklusive. Karstadt: Kaufhausarzt Zweiter Stock der Karstadt-Filiale in Bremen. Wo heute noch Regale mit Herrenhemden neben Ständern mit Abendgarderobe stehen, soll ab Mai 2005 ein deutschlandweit einmaliges Projekt starten: die Zahnarztpraxis im Kaufhaus. Der Blick ins Ausland lässt allerdings Zweifel an den Erfolgsaussichten dieses Vorhabens aufkommen. Praxen in großen US-Kaufhäusern wie Macys oder Sears haben nicht lange überlebt, sagt ein Sprecher der American Dental Association. Grund dafür sei, dass die "besondere Patienten-Arzt-Beziehung nach einer vertrauten Atmosphäre in geeigneter Umgebung verlangt. Die Patienten wollen sich mit Zahnschmerzen nicht erst durch ein überfülltes Kaufhaus wühlen." Auch das Projekt des britischen Privatversicherers Bupa, Praxen in der Kaufhauskette Sainsburys zu etablieren, ist nach wenigen Monaten mangels Nachfrage eingestellt worden. Die Betreiber der Praxis in der Karstadt-Filiale, die Firma Medi z, ist dennoch überzeugt von ihrer Idee. Das Unternehmen, das unter anderem von Bremer Zahnärzten finanziert wird, unterhält im Erdgeschoss der Filiale bereits eine Beratungsstelle zur Zahnbehandlung. Die Praxis will sich auf ästhetische Versorgung und Mundhygiene spezialisieren. "Wir machen lediglich das, was ins Kaufhaus passt" sagt Geschäftsführer Wolfgang Goetzke. Karstadt tritt als Vermieter der Räume auf und erhofft sich nach den Worten Goetzkes Umsatzzuwächse beim Verkauf zahnkosmetischer Produkte.
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